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Die Medivian-Stilregel.

Jeder Text, den die KI in Medivian erzeugt oder umformt, folgt einer festen Hausregel: kurze Sätze, Verben statt Substantive, Aktiv, Bekanntes vorn, fließende Sätze. Die Regel betrifft die Form, nie den Inhalt. Was Sie festgestellt, vermutet oder offen gelassen haben, bleibt so stehen, und diese Regel geht der Stilregel vor.

Von Dr. med. Robert Ivancic · Stand: 5. September 2026

Wer den ganzen Tag Befunde, Briefe und Gutachten schreibt, kennt den Text, den niemand gern liest: lange Sätze mit drei Nebensätzen, Handlungen als Hauptwörter auf -ung, Gedankenstrich-Ketten statt Sätzen, Passiv ohne Handelnden. Sprachmodelle schreiben diesen Text besonders gern, weil sie ihn in großer Menge gelernt haben. Deshalb hat Medivian eine Hausregel, die jeder KI-Schreibpfad einhält. Dieser Artikel erklärt die Regel, ihre Quellen und ihre eine wichtige Grenze.

Die acht Regeln

1. Kurze Sätze

Ein Gedanke je Satz, in der Regel unter zwanzig Wörtern. Die Hauptsache steht im Hauptsatz, die Nebensache im Nebensatz, und es gibt höchstens einen Nebensatz je Satz. Ein Leser, der zwölf Wörter lang auf das Verb wartet, hat den Anfang des Satzes vergessen, bevor er sein Ende erreicht.

Vorher: Die Patientin, die seit etwa sechs Wochen unter einer zunehmenden Niedergeschlagenheit leidet, welche morgens am stärksten ausgeprägt ist, berichtet außerdem über Schlafstörungen.

Nachher: Die Patientin berichtet seit etwa sechs Wochen zunehmende Niedergeschlagenheit mit Morgentief. Dazu kommen Schlafstörungen.

2. Verben statt Substantive

Handlungen stehen im Verb, nicht als Hauptwort auf -ung. Der Nominalstil ist die häufigste Krankheit des Amtsdeutschen und des Medizindeutschen zugleich. Er versteckt, wer etwas tut, und er verlängert jeden Satz um ein Drittel.

Vorher: Es erfolgte die Durchführung einer Überprüfung der Angaben.

Nachher: Die Angaben wurden geprüft.

3. Aktiv, wo jemand handelt

Wer etwas tut, ist Subjekt des Satzes. Passiv bleibt erlaubt, wenn der Handelnde unbekannt oder unerheblich ist oder die Fachsprache es so verlangt, etwa „wurde stationär aufgenommen“. Ein Passiv, das den Handelnden nur verschweigt, macht den Satz länger und ungenauer.

4. Bekanntes vorn, Neues hinten

Der Satz beginnt mit dem, was der Leser schon kennt, und endet mit der neuen Information. Das ist die Regel, die Texte fließen lässt, obwohl kaum jemand sie benennen kann. Subjekt und Verb bleiben dabei nah beieinander.

5. Fließende Sätze

Keine Gedankenstriche und keine Semikolons als Satzgelenk. Stattdessen ein Punkt oder ein Komma mit Konjunktion. Keine Klammern für Nebengedanken, keine Spiegelstriche im Fließtext. Ein Text aus Gedankenstrichen liest sich wie Stichworte, und Stichworte muss der Leser selbst zu Sätzen zusammensetzen.

6. Rechtschreibung

Echte Umlaute und ß nach den deutschen Regeln: groß, außer, ließ, Maßnahme. Niemals ae, oe, ue oder ss als Ersatz. Keine Großschreibung ganzer Wörter zur Betonung.

7. Keine Füllwörter, kein Jargon

Kein „grundsätzlich“, „letztendlich“, „im Rahmen von“, „erfolgte“, „zur Anwendung kommen“. Ein Fachbegriff bleibt, wo er genauer ist als das Alltagswort. Sonst das Alltagswort.

8. Unangetastet bleibt, was nicht Form ist

Wörtliche Zitate, Beweismaßformeln wie „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit“, feste Formeln einer Vorlage und Fachtermini mit definierter Bedeutung werden nicht umformuliert. Sie sind Inhalt, nicht Stil.

Die Grenze: Die Form darf den Inhalt nie verändern

Kurze Sätze haben einen Preis, den man beim Lesen nicht sieht. Wer „auf direkte Nachfrage verneinte der Patient glaubhaft Suizidalität“ kürzt, kommt schnell bei „keine Suizidalität“ an. Der Satz ist kürzer, und er sagt etwas anderes. Er verschweigt, dass Sie gefragt haben, und macht aus Ihrer Einschätzung eine Feststellung. Genau das ist die Hedging-Erosion, die wir bei jeder Umformung durch Sprachmodelle gemessen haben.

Deshalb steht in jedem KI-Aufruf hinter der Stilregel eine zweite Regel, die ihr vorgeht: Der Gewissheitsgrad wird nicht verschoben. Vorbehalte wie „am ehesten“ oder „kein sicherer Anhalt für“, Herkunftsangaben wie „nach eigenen Angaben“ und Bedingungen wie „sollte sich … zeigen“ bleiben, wie sie sind, und zwar an der Aussage, an der sie stehen. Wo ein kürzerer Satz einen dieser Marker kosten würde, bleibt der längere Satz. Die Stilregel sagt das selbst, in ihrem ersten Absatz.

Woher die Regeln kommen

Die acht Regeln sind nicht erfunden, sondern zusammengetragen. Fünf Quellen sagen dasselbe aus verschiedenen Richtungen.

Joseph Williams („Style: Lessons in Clarity and Grace“) liefert die mechanische Grundlage: Die handelnde Person wird Subjekt, die Handlung wird Verb. Bekanntes steht vorn, Neues hinten, die Betonung liegt am Satzende. Regeln 2 bis 4 stammen von ihm.

Wolf Schneider („Deutsch für Profis“) ist das deutsche Gegenstück, geschrieben für Journalisten, gültig für jeden, der Deutsch schreibt: Verb nach vorn, Hauptsache in den Hauptsatz, keine Substantivketten, konkret schlägt abstrakt, die Verbklammer nicht überladen. Regeln 1, 2 und 7 tragen seine Handschrift.

Steven Pinker („The Sense of Style“) erklärt, warum klare Prosa so schwer ist: der Fluch des Wissens. Wer etwas weiß, kann sich nicht vorstellen, es nicht zu wissen, und schreibt deshalb für sich statt für den Leser. Pinker rät auch, Absicherungswörter zu streichen. Für einen Essay stimmt das. Für einen Befund ist es gefährlich, und deshalb hat die Regel zum Gewissheitsgrad Vorrang.

George Orwell („Politics and the English Language“) passt auf eine Karteikarte: nie ein langes Wort, wo ein kurzes reicht, jedes Wort streichen, das sich streichen lässt, Aktiv statt Passiv, kein Jargon, wo es ein Alltagswort gibt. Und jede dieser Regeln brechen, bevor man etwas Barbarisches schreibt.

Das Hamburger Verständlichkeitsmodell von Langer, Schulz von Thun und Tausch ist kein Stilbuch, sondern eine empirisch geprüfte Checkliste mit vier Dimensionen: Einfachheit, Gliederung, Kürze und anregende Zusätze. Es zeigt, dass Verständlichkeit messbar ist und nicht Geschmackssache.

So setzt Medivian die Regel um

Die Stilregel ist ein eigenes Dokument, das Medivian an jeden Schreibauftrag der KI anhängt: beim Erstellen aus dem Diktat, beim Überarbeiten, Kürzen, Zusammenfassen und Verdichten, bei Stiländerung, in der Textverbesserung und in den Gutachten. Sie steht an einer Stelle und wird an einer Stelle gepflegt. Dahinter steht die Regel zum Gewissheitsgrad als letzter Block, damit sie in langen Aufträgen nicht untergeht. Ein automatischer Test prüft für jeden Schreibpfad, dass beide Regeln genau einmal vorhanden sind und in dieser Reihenfolge stehen.

Ihr persönlicher Stil kommt darüber. Medivian lernt aus Ihren Korrekturen an generierten Texten ein Stilprofil, das Sie freigeben können. Es ergänzt die Hausregel um Ihre Wortwahl und Ihre Gliederung. Es ersetzt sie nicht.

So unterstützt Medivian dabei.

Sie diktieren, wie Sie sprechen. Medivian macht daraus Sätze, die sich lesen lassen, und lässt dabei stehen, was Sie offen gelassen haben. Vor der Freigabe lesen Sie den Entwurf, nicht die Regel.

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Häufige Fragen

Was ist die Medivian-Stilregel?

Eine feste Hausregel für die Form jedes Textes, den die KI in Medivian erzeugt oder umformt: kurze Sätze, Verben statt Substantive, Aktiv, Bekanntes vorn, fließende Sätze ohne Gedankenstrich und Semikolon, echte Umlaute und ß, keine Füllwörter. Sie gilt in jedem Schreibpfad und lässt sich nicht abschalten.

Verändert die Stilregel den Inhalt meines Textes?

Nein. Die Stilregel betrifft nur die Form. Die Regel zum Gewissheitsgrad geht ihr vor: Vorbehalte, Herkunftsangaben und Bedingungen bleiben, wie sie sind. Wo ein kürzerer Satz einen Vorbehalt kosten würde, bleibt der längere Satz. Wörtliche Zitate, Beweismaßformeln und feste Formeln werden nicht umformuliert.

Woher kommen die Regeln?

Aus fünf Quellen, die dasselbe aus verschiedenen Richtungen sagen: Joseph Williams, Wolf Schneider, Steven Pinker, George Orwell und das Hamburger Verständlichkeitsmodell.

Kann ich die Stilregel an meinen eigenen Stil anpassen?

Die Stilregel selbst nicht, sie ist die Grundlinie. Ihr persönlicher Stil kommt darüber: Medivian lernt aus Ihren Korrekturen ein Stilprofil, das Sie freigeben können. Es ergänzt die Stilregel, es ersetzt sie nicht.

Dr. med. Robert Ivancic

Arzt für Nervenheilkunde, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Geschäftsführer der Ceremaris GmbH, die Medivian entwickelt.

Literatur

  • Williams, J. M. & Bizup, J. (2017). Style: Lessons in Clarity and Grace. 12. Aufl. Boston: Pearson.
  • Schneider, W. (2001). Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil. München: Goldmann.
  • Pinker, S. (2014). The Sense of Style. The Thinking Person's Guide to Writing in the 21st Century. New York: Viking.
  • Orwell, G. (1946). Politics and the English Language. Horizon, 13(76), 252–265.
  • Langer, I., Schulz von Thun, F. & Tausch, R. (2019). Sich verständlich ausdrücken. 11. Aufl. München: Reinhardt.
  • Lanham, R. A. (2006). Revising Prose. 5. Aufl. New York: Pearson Longman.

Die Stilregel gilt für Texte, die Medivian erzeugt oder umformt. Was Sie selbst schreiben, bleibt unverändert, bis Sie eine Bearbeitung anstoßen.